16.09.2020

Interview mit Lea: Das Blockmodell der Victoria University

Die Victoria University in Melbourne hat ein in Australien einzigartiges Studiensystem. Lea studiert dort aktuell den Bachelor of Education mit den Schwerpunkten Outdoor Education und Disability Studies. Im Interview hat sie uns verraten, wie das System funktioniert und was es so besonders macht.

Hallo Lea, du bist an der Victoria University in Melbourne im Bachelor of Education Studies eingeschrieben und studierst aktuell im zweiten Studienjahr. Wie gefällt es dir bisher?

Hi! Mir gefällt es bisher sehr gut. Ich habe mich ziemlich schnell eingelebt und genieße die Zeit hier sehr. Das zweite Studienjahr finde ich etwas interessanter als das erste, da wir nun in unsere Haupt- und Nebenfächer gehen (Major und Minor) und demnach ausschließlich Fächer in unserem Interessengebieten haben.


Wieso hast du dich für Melbourne und die Victoria University entschieden?

Ich habe in 2018 bereits für vier Monate in Melbourne, genauer gesagt auf der Mornington Peninsula, gelebt und für ein Partnerprojekt meines deutschen Arbeitgebers gearbeitet. Demnach hatte ich schon ein paar Kontakte und kannte mich etwas aus. Ich habe mich damals sehr wohl gefühlt und demnach fiel mir die Entscheidung zurück zu kommen, sehr einfach. Ich habe mich für die Victoria University entschieden da mir der Education Studiengang sehr gefallen hat und alles sehr innovativ und interessant schien.


Die Victoria University hat ein besonders Studienmodell, bei dem in Blöcken statt klassisch über das komplette Semester unterrichtet wird. Wie kann man sich das vorstellen?

Korrekt, auf der VU wird nicht im klassischen Semestermodell unterrichtet, sondern in dem sogenannten „Blockmodell“. Wie immer, gibt es vier Kurse pro Semester. Allerdings werden diese nicht gleichzeitig unterrichtet, sondern nacheinander. Das Semester ist in vier Blöcke aufgeteilt, jeder Block geht für vier Wochen und pro Block wird ein Kurs unterrichtet. Am Ende dieses Blockes hat man alle Hausarbeiten, Präsentationen oder sonstige Aufgaben erledigt und auch schon alle Noten erhalten. Demnach ist der Kurs abgeschlossen und man kann im nächsten Block den nächsten Kurs abschließen. Somit konzentriert man sich nur auf einen Kurs gleichzeitig und muss nicht vier Kurse jonglieren und am Ende des Semesters versuchen alle Hausarbeiten zur gleichen Zeit einreichen.


Wie viele Studierende sind in den einzelnen Kursen? Gibt es viel Gruppenarbeit oder muss man mehr eigenständig arbeiten?

Da ich „Education“ studiere, kann ich meine Antworten nur auf meine Erfahrungen in diesem speziellen Studiengang basieren. Für uns gibt es ein Maximum von 30 Studenten pro Kurs, und alles ist sehr „schulisch“ gehalten. Also es gibt keine großen Vorlesungen, sondern die Kurse sind als Workshops gestaltet die auf Diskussionen, Unterhaltungen und Interaktionen basieren. Viele der Hausarbeiten sind Gruppenarbeiten, aber es gibt auch einige Einzelarbeiten. Generell finde ich es sehr ausbalanciert und es ist abwechslungsreich gestaltet, sodass jeder die Chance hat sich eine faire Note zu erarbeiten.


Wo siehst du die Vorteile im Blockmodell? Und gibt es auch Nachteile?

Um es etwas einfacher zu gestalten, liste ich hier einfach mal die Vor- und Nachteile auf, die ich persönlich im Blockmodell sehe:

Vorteile:

  • Sehr strukturiert und einfach gestaltet
  • Übersichtlicher Stundenplan (3x die Woche jeweils drei Stunden)
  • Hausarbeiten in regelmäßigen Abständen (ca. eine Hausarbeit pro 1-2 Wochen)
  • Hausarbeiten sind kleiner und definitiv machbar in der vorgegebenen Zeit
  • Sehr abwechslungsreiche Aufgaben die jedem Lerntypen gerecht werden und somit jedem die gleiche Chance auf gute Noten gibt
  • Der Unterricht ist durch das Online-Portal unterstützt und man kann alles nachlesen und noch einmal einsehen, selbst von Zuhause


Nachteile:

  • Da man alle vier Wochen ein neues Fach hat, wechseln natürlich auch die Mitstudenten und Lehrer, somit ist es als internationaler Student etwas schwieriger soziale Kontakte aufzubauen
  • Der Stundenplan kann sich alle vier Wochen ändern, da jedes Fach natürlich zu anderen Zeiten unterrichtet hat, demnach muss man etwas flexibler sein
  • Man muss sich selbst durch den „Dschungel“ von Fächern durcharbeiten und z.B. rausfinden, ob es eine bestimmte Reihenfolge gibt, die man einhalten muss. Allerdings gibt es ein super Support Team, welches einem immer gerne hilft.


Wie läuft das studentische Leben an der Victoria University ab?

Je nach dem an welchem Campus man sich befindet, läuft es unterschiedlich ab. Der Hauptcampus ist in „Footscray Park“, im Westen der Stadt, und hat außer den vielen Gebäuden für Unterricht auch einige Cafés, Restaurants, soziale Bereiche, eine große Bibliothek und sogar eine Bar, die bis spät abends auf hat. Man kann hier auch ein Fitnessstudio und ein Schwimmbad finden. Demnach ist das Studentenleben hier etwas sozialer und man kann sich auch sehr gut außerhalb der Unterrichtszeiten mit Freunden treffen.

Die anderen Campusse sind etwas kleiner und haben ein nicht ganz so großes Freizeitangebot wie Footscray Park. Da ich nur am Footscray Campus studiere, kann ich nicht beurteilen, wie das studentische Leben dort abläuft.

Die VU hat allerdings regelmäßig Veranstaltungen, um z.B. verschiedene Kulturen zu präsentieren, neue Studenten zu begrüßen oder einfach nur um die Studenten näher zu bringen. Der gesamte Campus ist dann ein riesiges Festival und überall gibt es live Musik, kostenloses Essen, Shows oder andere Unterhaltung.


Und abschließend: Welchen Tipp gibst du zukünftigen Studenten mit auf den Weg?

Versuche an so vielen Veranstaltungen wie möglich teilzunehmen, um neue Leute kennenzulernen und trau dich ruhig andere Studenten in deinem Kurs anzusprechen. Wir sind alle im selben Boot und müssen und alle vier Wochen an neue Lehrer usw. erinnern und jeder freut sich immer neue Kontakte zu knüpfen. Australier sind super freundlich und sehr herzlich und du wirst schnell merken, dass sie es lieben, neue Leute kennenzulernen, besonders wenn du „neu“ bist. Du wirst schnell Freunde finden, die dich rumzeigen und ihrem sozialen Kreisen vorstellen, demnach musst du keine Angst haben einsam zu sein. Die australische Kultur ist sehr herzlich und heißt dich gerne willkommen!
Außerdem hat es mir geholfen mit Einheimischen in eine WG zu ziehen. Ich würde davon abraten, in die „VU Lodge“, der Unterkunft von der Universität selbst, zu ziehen. Es gibt in umliegenden Stadtgebieten immer WGs die Mitbewohner suchen, und das ist viel günstiger und meistens räumlicher. Außerdem hilft es dir, neue Leute kennenzulernen und dich mehr zuhause zu fühlen!

Dich interessiert die Victoria University und du möchtest auch in Blocksystem studieren? Das Profil der Universität findest du unter www.gostralia.de/victoria. Dort findest du einen Überblick über die Studienmöglichkeiten und weitere Infos zur Uni. Bei der Bewerbung sind dir dann unsere Studienberaterinnen gerne behilflich.