25.11.2020

Forschungsprojekt an der University of Tasmania: Blauer Kohlenstoff in der Antarktis und seine Bedeutung als wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor

Der antarktische blaue Kohlenstoff “Blue Carbon” stellt weltweit die größte wachsende natürliche Form der Bindung von CO2 dar. Ironischerweise ist es gerade das Schmelzen des Meereises, das durch den Klimawandel ausgelöst wird, das sich im Kampf um die Reduktion von CO2 als Gamechanger entpuppen könnte, wenn die Antarktis umfassend geschützt wird.

Internationale rechtliche Vereinbarungen sollten genutzt werden, um die wachsende Bedeutung der Antarktis bei der Kohlenstoffbindung nachhaltig zu schützen. Dies fordert eine neue Studie des Institute for Marine and Antarctic Studies (IMAS) an der University of Tasmania, die unter der Leitung des IMAS durchgeführt wurde und an dem acht Forschungsinstitute aus sechs Ländern beteiligt waren.

Während das antarktische Schelfeis, die Gletscher und das Meereis aufgrund des Klimawandels schrumpfen, gedeihen Algenblüten des Phytoplanktons in den neuen eisfreien Gewässern des Kontinentalschelfs. Diese binden CO2, während sie absterben und mit der Wassersäule herabsinken.

Bekannt als antarktischer blauer Kohlenstoff, stellt dieser die weltweit größte wachsende und natürliche Form der Kohlenstoffspeicherung dar, ganz im Gegensatz zu den schrumpfenden Mangroven- und Seegrasökosystemen in wärmeren Teilen der Welt, die CO2 zwar effektiver, aber in viel kleinerem Maßstab aufnehmen.

In einem neuen Paper, das unter der Leitung von Dr. Narissa Bax vom IMAS herausgegeben und in der Zeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurde, wird vorgeschlagen, das Pariser Abkommen von 2015 mit den bestehenden Antarktis-Verträgen von 1959 zu verbinden, um die Bedeutung des Kontinents im Bezug auf den blauen Kohlenstoff zu sichern.

"Es ist ironisch zu sehen, dass der Rückgang des Meereises in der Antarktis möglicherweise ein Teil der Lösung im Zusammenhang mit dem Klimawandel sein kann, der den Eisverlust überhaupt erst verursacht hat", sagt Dr. Narissa Bax. Die Wissenschaftlerin schlägt vor, “die reiche und produktive biologische Vielfalt um die antarktischen Kontinentalschelfe umfassend zu schützen, nicht nur wegen ihrer wichtigen Rolle, die sie schon jetzt im Zuge des Klimawandels spielen, sondern auch wegen ihres massiven Potenzials, das in Zukunft noch an Bedeutung zunehmen wird.”

"Die aktive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre ist erforderlich, um die globalen Ziele zur Begrenzung des Klimawandels zu erreichen, denn es wird nicht ausreichen, nur die Emissionen zu reduzieren. Versuche, CO2 industriell zu binden, sind bisher teuer und kleinräumig, während der Prozess in der Antarktis bereits auf natürliche Weise über ein riesiges Gebiet verläuft, das wahrscheinlich weiter wachsen wird, wenn das Eis weiter zurückgeht.”

Die Wissenschaftler*innen der Studie schätzen den wirtschaftlichen Wert von CO2, das rund um die Antarktis gebunden wird, auf bis zu 3,2 Milliarden Dollar. Die Tatsache, dass dieser Wert noch weiter steigen wird, muss als wichtiger Teil der globalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels betrachtet werden.

Für Dr. Bax ist gerade jetzt die vorsorgliche Erhaltung und ein gemeinsames Handeln aller Regierungen notwendig, um das antarktische Ökosystems und seine globale Bedeutung vor möglichen zukünftigen Bedrohungen zu schützen, die den Meeresboden stören oder den Verlust der Artenvielfalt verursachen könnten. "Der Schutz der Kohlenstoffbindung in der Antarktis ist eine wichtige Herausforderung, die in internationalen Abkommen weitgehend ignoriert wurde. Die Verwaltung der antarktischen Gewässer erfordert oft langwierige Tarifvertragsverhandlungen mit den Fischereistaaten im Rahmen der Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR) mit Sitz in Hobart", erklärt Dr. Bax.

Mitverfasser der Studie Associate Professor Jeffrey McGee bestätigt, dass bestehenden internationalen Abkommen eine signifikante Rolle zukommt, wenn es um den Schutz des benthischen blauen Kohlenstoffs geht. "Die Schlüsselfrage ist, wie innerhalb dieser Abkommen zusätzliche Anreize für die einzelnen Staaten geschaffen werden können, um den antarktischen blauen Kohlenstoff nachhaltig zu schützen.

Professor Marcus Haward, ebenfalls Co-Autor der Studie, betont, dass es schon eine Reihe von Mechanismen gibt, um antarktische Ökosysteme zu schützen, darunter Meeresschutzgebiete oder ein nicht-marktwirtschaftlicher Rahmen wie im Pariser Klimaschutzabkommen verankert. "In unserer Studie schlagen wir vor, die Antarktis-Verträge und die UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) miteinander zu verbinden. Dieser Ansatz könnte auch den Weg dafür ebnen, dass Staaten die Reduktion von Kohlenstoffemissionen durch den Verzicht auf Fischerei oder andere Aktivitäten in den entsprechenden Gebieten anrechnen lassen können, was wiederum einen Anreiz für die Nationen darstellen würde, zu handeln.” Statt eine Etablierung der Fischerei in den neuen eisfreien Gebieten zuzulassen, plädiert der Wissenschaftler dafür, diese einzigartige Gelegenheit zu nutzen, um ein Schutz- und Anreizsystems als Alternative zur traditionellen wirtschaftlichen Ausbeutung zu schaffen, das nicht zuletzt dazu dient, um die multinationalen Verpflichtungen zum Schutz des Lebens auf der Erde zu erfüllen.